Neue PFAS-Grenzwerte 2026: Was Lebensmittelbetriebe jetzt wissen müssen
Die EU hat verbindliche Grenzwerte für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) in Lebensmittelkontaktmaterialien beschlossen. Für viele Betriebe bedeutet das: Verpackungen prüfen, Lieferanten kontaktieren, Dokumentation anpassen.
Was sind PFAS und warum sind sie ein Problem?
PFAS sind eine Gruppe von über 10.000 synthetischen Chemikalien, die wegen ihrer wasser- und fettabweisenden Eigenschaften in Lebensmittelverpackungen eingesetzt werden. Sie finden sich in Pappbechern, Pizzakartons, Backpapier, Takeaway-Boxen und beschichteten Papierverpackungen.
Das Problem: PFAS bauen sich in der Umwelt praktisch nicht ab — daher der Name "Ewigkeitschemikalien". Sie reichern sich im menschlichen Körper an und stehen im Verdacht, Schilddrüsenerkrankungen, Immunschwäche und bestimmte Krebsarten zu fördern.
Was ändert sich konkret?
Die neue EU-Verordnung setzt erstmals verbindliche Migrationsgrenzen für PFAS in Materialien mit Lebensmittelkontakt. Die wichtigsten Punkte:
- Grenzwert: Maximal 25 μg/kg Gesamtfluor für Papier- und Kartonverpackungen mit Lebensmittelkontakt
- Geltungsbereich: Alle Lebensmittelkontaktmaterialien aus Papier, Karton und pflanzlichen Fasern
- Frist: Ab 1. Dezember 2026 müssen alle in Verkehr gebrachten Materialien konform sein
- Nachweis: Betriebe müssen eine Konformitätserklärung ihrer Lieferanten vorhalten können
Welche Betriebe sind betroffen?
Die Verordnung betrifft jeden Betrieb, der Lebensmittel in Papier- oder Kartonverpackungen abgibt. Das schließt ein:
- Restaurants und Cafés mit Takeaway-Angebot
- Bäckereien mit Papiertüten und beschichteten Verpackungen
- Catering-Unternehmen
- Lebensmittelhersteller mit Papierverpackungen
- Lieferdienste und Ghost Kitchens
- Lieferanten kontaktieren: Fordern Sie eine PFAS-freie Konformitätserklärung für alle Papier- und Kartonverpackungen an
- Verpackungen inventarisieren: Listen Sie alle Materialien auf, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen
- Alternativen beschaffen: Falls Ihr Lieferant keine PFAS-freien Optionen bietet, beginnen Sie jetzt mit der Lieferantensuche
- Dokumentation anlegen: Bewahren Sie alle Zertifikate und Erklärungen für behördliche Kontrollen auf
Was kostet ein Verstoß?
Die Bußgelder variieren je nach Bundesland, können aber empfindlich ausfallen. Bei einem Erstverstoß sind 5.000 bis 25.000 € realistisch. Bei wiederholten Verstößen oder Gefährdung der Verbrauchergesundheit drohen bis zu 50.000 € und ein temporäres Vertriebsverbot für die betroffenen Produkte.
Schwerer als das Bußgeld wiegt oft der Reputationsschaden: Ein RASFF-Eintrag (Rapid Alert System for Food and Feed) ist öffentlich einsehbar und kann das Vertrauen Ihrer Kunden nachhaltig beschädigen.
Fazit
Die neuen PFAS-Grenzwerte sind kein Grund zur Panik, aber ein klarer Handlungsauftrag. Wer jetzt seine Lieferkette prüft und die Dokumentation in Ordnung bringt, ist auf der sicheren Seite. Wer abwartet, riskiert böse Überraschungen bei der nächsten Kontrolle.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Die Inhalte wurden sorgfältig recherchiert, erheben jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Aktualität. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen Rechtsanwalt oder die zuständige Behörde.